Schulhund

Im Rahmen der tiergestützten Pädagogik arbeiten inzwischen 6 Schulhunde an der Soeste-Schule Barßel (Standort Elisabethfehn).

Knut und Maja 

Fiona und Bente

 

 

1.) Grundsätzliches zur tiergestützten Arbeit

In der Literatur gibt es eine Vielzahl von Begrifflichkeiten, die die Arbeitsfelder von tiergestützter Interventionen beschreiben, z.B. Animal-Assisted-Activities, tiergestützte Aktivität oder tiergestützte Therapie. Alle beschreiben, dass ein pädagogisches oder therapeutisches Ziel verfolgt wird.

Generell kann man die Arbeitsfelder tiergestützter Intervention in zwei Bereiche untergliedern:

  • Tiergestützte Therapie beinhaltet alle Maßnahmen und Interventionen, die von/mit einem Therapeuten durchgeführt werden.

  • Tiergestützte Pädagogik umfasst alle Maßnahmen und Interventionen, die von/mit einem Pädagogen durchgeführt werden.

Wird eine pädagogisch ausgebildete Person regelmäßig von seinem Hund in der Schule begleitet und unterstützt, spricht man von tiergestützter Pädagogik im schulischen Rahmen. Dies setzt eine abgeschlossene pädagogische Ausbildung/Studium des Hundeführers voraus sowie ein pädagogisches Konzept, das die Bedarfslage der Zielgruppe Schüler und die Bedürfnisse des Hundes berücksichtigt.

Tiergestützte Pädagogik legt zugrunde, dass die pädagogische Arbeit durch den Einsatz eines Tieres unterstützt wird.

Bei der Beobachtung von Kindern und Jugendlichen wird deutlich, dass diese unvoreingenommen und unbeschwert auf Tiere zugehen. Das Zusammenleben von Mensch und Tier verbessert die Fähigkeit zu kommunizieren und stärkt die Entwicklung von Empathie.

1.1) Vorteile der tiergestützten Arbeit mit einem Hund

Bundesweit gibt es schon dutzende Schulmodelle, in denen ein Hund die Rolle von einem Lehr- und Lernassistenden einnimmt. Die Reaktionen und Erfahrungen fallen durchweg positiv aus. Schon die Anwesenheit eines Hundes im Unterricht kann Verhaltensveränderungen in unterschiedlichen Bereichen bei Schülern und Schülerinnen bewirken. Hunde können durch ihre zwanglose und freundliche Art zum Lernen motivieren und somit das Lernverhalten fördern und die Lust dazu erhöhen. Schüler und Schülerinnen kommen lieber zur Schule und sind im Schulalltag ausgeglichener – sie fühlen sich wohler. Fehlzeiten und Verspätungen können darüber hinaus reduziert werden.

Eine einhergehende Auswirkung ist der freundliche Umgangston, der durch die Anwesenheit eines Schulhundes gefördert wird. Schüler und Schülerinnen lernen von- und miteinander, indem sie aufeinander Acht geben und sich gegenseitig zur Ruhe und Rücksicht auf den Hund hinweisen. Auf aggressive Reaktionen und Auseinandersetzungen kann mit Hilfe von Verhaltensregeln, zugunsten des Hundes, verzichtet werden. Dem Tier zuliebe halten sich Schüler und Schülerinnen gerne an bestehende Regeln.

Diese Vorteile erachten wir für die Schüler und Schülerinnen in der Soeste-Schule-Barßel in der Außenstelle Elisabethfehn als wertvoll. Im Folgenden werden wir näher darauf eingehen, wie wir auch hier vor Ort von den Vorzügen eines Schulhundes profiTIERen möchten. J

2.) Warum ein Schulhund an unserer Schule?

Die Soeste-Schule Barßel ist eine Schule im Landkreis Cloppenburg, dessen Schülerschaft gekennzeichnet ist von unterschiedlichen sonderpädagogischen Förderschwerpunkten und unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Diese Vielfalt benötigt nicht nur ein pädagogisches Feingefühl, sondern auch eine individuelle Förderung, orientiert an den Talenten der Schüler und Schülerinnen.

Durch den Einsatz von Schulhunden sollen die Lernbedingungen verbessert und auf diese Weise ein wichtiger Beitrag zur Erziehung und Bildung geleistet werden. Auf die positiven Auswirkungen auf die Lernatmosphäre, Leistungsfähigkeit und emotionalen/sozialen Kompetenzen der Schüler und Schülerinnen wurde im vorherigen Abschnitt schon hingewiesen.

Für die Schülerschaft der Soeste-Schule-Barßel sollen darüber hinaus das soziale Lernen sowie eine Förderung des Selbstbewusstseins gefördert werden. Im folgenden Abschnitt soll genauer darauf eingegangen werden.

2.1) Wirkungen und Möglichkeiten der tiergestützten Pädagogik

Der Wirkungsbereich der tiergestützten Pädagogik kann in unterschiedlichen Bereichen Resultate erzielen: physiologisches-, psychologisches- und soziales Wirkungsfeld. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden bis zu 20% der Kinder und Jugendlichen an Beeinträchtigungen infolge von psychischen Problemen. Der Verlust von sozialen Beziehungen spielt dabei eine maßgebliche Rolle.

Tiergestützte Pädagogik ist ein Prozess, bei dem ein Tier auf positive Weise in das Leben einer Person oder Gruppe (Klasse) einwirkt und dazu beiträgt soziale Beziehungen wieder zu ermöglichen.

An der Soeste-Schule wünschen wir uns, dass der Einsatz von Hunden im Schulalltag viele positive Nebenwirkungen mit sich bringt. Wir wollen u.a. erzielen, dass durch Hunde im Unterricht

… das soziale Lernen gefördert wird.

Kinder und Jugendliche können sich im Umgang mit Hunden als kompetent erleben. Das Feedback eines Hundes erfolgt unmittelbar und ehrlich. Wird er beispielsweise grob behandelt, so weicht er zurück. Nimmt man auf seine Bedürfnisse Rücksicht und achtet sie, so wendet er sich dem Menschen zu. Durch diese unmittelbare Reaktion wird Kindern und Jugendlichen ihr eigenes Verhalten vor Augen geführt und führt dazu, dass sie zunehmend lernen Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen.

… das Selbstbewusstsein gefördert wird.

Die Erfahrung von einem Hund gemocht, gebraucht und akzeptiert zu werden, egal wie das Aussehen, der soziale Status oder die Kognition ist, wirkt sich positiv auf sie Stärkung des Selbstbewusstseins aus. Durch die aktive Interaktion werden Verhaltensweisen erlernt, z.B. Rücksichtnahme und angemessene Kontaktaufnahme, die auch auf soziale Situationen mit Menschen übertragen werden können. Besonders bei Kindern und Jugendlichen mit einem sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf ist dieser Aspekt bedeutend.

… die Lernatmosphäre positiv beeinflusst wird.

Nicht nur das Streicheln eines Tieres wirkt stressreduzierend. Die bloße Anwesenheit im Klassenraum hat den gleichen Effekt. Dies führt langfristig dazu, dass sich die Lernatmosphäre positiv verändert und das Unterrichtsklima stress- und konfliktfreier wird. Darüber hinaus, kann sich eine Steigerung der Leistungsfähigkeit sowie eine höhere Zufriedenheit einstellen. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist der Bereich Sorgfalt und Ordnung. Offene Schultaschen, Müll im Klassenzimmer oder Essensreste können für den Hund gefährlich sein und sollten vermieden werden.

3.) Rahmenbedingungen an der Soeste Schule Barßel

In der Soeste-Schule Barßel werden Schulhunde ausschließlich, im Team, von ihren Hundeführern im Unterricht begleitet.

3.1) Die Schulleitung

Der Hund in der Schule wird beruflich genutzt. Die Schulleitung muss den Schulhund somit als „Arbeitsmittel im Schulalltag“ genehmigen. Ohne die Genehmigung der Schulleitung ist die tiergestützte Pädagogik an einer Schule nicht umsetzbar. Laut § 32 NSchG ist geregelt, dass die Schule im Rahmen der staatlichen Verantwortung und der Rechts- und Verwaltungsvorschriften eigenverantwortlich entscheidet und handelt. Somit reicht die Zustimmung der Schulleitung für die Arbeit mit einem Schulhund als Bewilligung aus.

3.2) Die Eltern, Erziehungsberechtigte und das Kollegium

Die Akzeptanz auf Seiten der Elternschaft sowie dem Kollegium ist die wichtigste Voraussetzung für eine effektive Arbeit.

Im Rahmen der Dienstbesprechung soll über den Einsatz, Umfang und Bereich, informiert werden. Die tiergestützte Arbeit soll transparent gestaltet sein, so dass das Kollegium hinter dem Einsatz steht und offene Fragen beantwortet werden können (siehe Punkt 4.1).

Für die Elternschaft der betroffenen Klassengemeinschaften wird ein Informationsbrief verfasst. In dem Brief können Eltern und Erziehungsberechtigte pädagogische Ziele und Möglichkeiten erfahren. Darüber hinaus werden sie aufgefordert Angaben zu eventuellen Tierhaarallergien oder Ängsten zu machen. Die Möglichkeit für ein Informationsgespräch wird geboten.

3.3) Die Schüler und Schülerinnen

Nicht jede Klassengemeinschaft eignet sich für den Einsatz der tiergestützten Pädagogik. Die Arbeit ist in organisatorische und inhaltliche Strukturen eingebettet, so dass Rahmenbedingungen festgelegt werden müssen. Die Arbeit mit dem Schulhund ist an eine Klasse und feste Schülergruppe gebunden und findet in einem festen Raum statt.

Vor dem ersten Einsatz werden die Schüler und Schülerinnen in die Thematik eingeführt, wobei auch die „Hundesprache“ analysiert wird. Es werden Verhaltensregeln vereinbart sowie eine feste „Ruhezone“ bestimmt.

Pathologische Angst vor Hunden oder massive Tierhaarallergien gelten als Ausschlusskriterium für den Einsatz des Schulhundes in einer Klassengemeinschaft.

3.4) Der Hund

Innerhalb der Lerngruppen besteht ein Regelwerk, welches auf die Bedürfnisse des Hundes eingeht und dem Hund Auszeiten einräumt. Dazu gibt es einen fest verankerten Platz im Klassenraum oder einem alternativen Ruheraum, in dem der Hund nicht kontaktiert werden darf (kein Streicheln oder Anfassen jeglicher Art).

Ein Schulhund muss bei der Arbeit in der Schule einer enormen Belastung gewachsen sein. Deshalb ist es wichtig, dass er folgende Wesens- und Leistungsmerkmale hat:

  • Große innere Sicherheit

  • Niedriges Aggressionspotenzial

  • Interesse an Menschen

  • Sensibilität gegenüber Stimmungen

  • Wenig territoriales Verhalten

  • Hohe Resistenz gegenüber Umweltstress

3.4.1) Versicherung und Infektionsprävention

Der Hund ist haftpflichtversichert. Während der Schulzeiten fällt er unter die Schulhaftpflicht, so dass Verletzungen oder Unfälle, die durch den Hund verursacht werden, automatisch versichert sind.

Der Hund wird artgerecht versorgt und gepflegt. Regelmäßige Gesundheitsattests vom Tierarzt können auf Anfrage eingesehen werden. Regelmäßige Entwurmungen und Impfungen können dem Impfpass entnommen werden.

4.) Pädagogische Ziele

Der regelmäßige Einsatz eines Hundes in der Schule ist sehr anstrengend und stressig. Um den Stress für das Tier zu reduzieren, ist der Einsatz auf einzelne Tage herabgesetzt. Darüber hinaus ist der Einsatz an eine feste Schülergruppe gebunden, mit der der Hund vertraut ist. In den Räumlichkeiten der Klasse steht eine „Ruhezone“ zur Verfügung, in die sich der Hund ungestört zurück ziehen kann.

Auf dem Schulhof und im Schulgebäude wird der Hund überwiegend an der Leine geführt. Im Klassenraum kann sich der Hund frei bewegen. Eine weitere wichtige Voraussetzung, um den regulären Unterricht störungsfrei abhalten zu können bzw. den Hund gezielt in die pädagogische Arbeit mit einzubeziehen, ist die Bindung des Hundes zur Bezugsperson. Eine Unterordnung erfolgt bei einem Team Lehrer-Hund in der Regel ohne Worte und der Hund orientiert sich automatisch am Besitzer und seinen Erwartungen. So kann in der überwiegenden Zeit des Unterrichtes dem normalen Unterrichtsgeschehen nachgegangen werden, d.h. die Aufmerksamkeit des Lehrers liegt auf den Schülerinnen und Schülern und der Vermittlung der Unterrichtsinhalte.

Gemeinsam mit der Klassengemeinschaft werden Verhaltensregeln erarbeitet, die es einzuhalten gilt. Die Schülerinnen und Schüler müssen verstehen lernen, welche emotionalen Konsequenzen ihr Handeln bei dem Hund auslöst. Sie lernen somit die eigenen Emotionen, Wünsche, Bedürfnisse und Vorlieben mit denen des Tieres abzustimmen und Grenzen zu akzeptieren und einzuhalten. Die erarbeiteten Regeln können von den Schülerinnen und Schülern noch besser durch Selbsterfahrungen (wie etwa Rollenspiele) verinnerlicht werden. Durch diese Methodik lernen sie, sich in die Situationen und Gefühle des Hundes hinein zu fühlen.

Die Verhaltensregeln bleiben zur Erinnerung ständig sichtbar im Klassenraum hängen.

Zu Beginn der tiergestützten Arbeit mit dem Hund findet eine freie Interaktion statt. Das bedeutet, dass der Hund in der Klasse frei agieren darf und Kontakt zu den Schülern und Schülerinnen kann. Im späteren Verlauf kann der Hund zunehmend gezielter im Unterricht eingesetzt werden, z.B. in Einzel- oder Kleingruppenarbeiten.

4.1) Absprachen im Umgang mit dem Hund

Grundsätzlich:

  • Keine Hunde im Lehrerzimmer!

  • Keine Hunde in der Küche!

  • Hund und Besitzer arbeiten immer im Team!

  • Schüler laufen nie alleine mit dem Hund!

    • Spaziergänge in Kleingruppen als Belohnung in Absprache (MIT Hundehalter!)

  • Hunde werden innerhalb des Schulgebäudes angeleint geführt!

  • Hundehalter sind verpflichtet sich regelmäßig fortzubilden!

Innerhalb der Klasse:

  • Wir sorgen dafür, dass es dem Hund gut geht!

  • Nicht von oben streicheln!

  • Ich frage, bevor ich einen Hund anfasse!

  • Der Hund wird nie von mehr als zwei Kindern gleichzeitig gestreichelt!

  • Wir halten den Hund nicht gegen seinen Willen fest!

  • Wir reden in einer angemessenen Lautstärke mit dem Hund, um Angst zu vermeiden!

  • Es spricht immer nur eine Person mit dem Hund!

  • Im Körbchen liegen bedeutet: PAUSE!

  • Das letzte Wort hat die Lehrkraft!


 Elternbrief:

 

Liebe Eltern und Erziehungsberechtigte,

in der Soeste-Schule Barßel findet tiergestützte Pädagogik statt. Im Zuge dessen begleitet mich mein Hund, so oft es mir möglich ist, in meinem Unterricht.

Die Umsetzung in der Schule sieht wie folgt aus:

  • Wir nehmen immer und überall Rücksicht auf Personen, die Allergien, Angst oder Abneigungen vor Hunden haben!
  • Der Umgang mit dem Hund ist freiwillig! Niemand wird zum Kontakt gezwungen!
  • Die Schüler werden über den richtigen Umgang mit Hunden aufgeklärt!
  • Der Hund ist immer unter meiner Aufsicht!
  • Auf dem Schulgelände wird der Hunde immer an der Leine geführt!
  • Es gelten verbindliche Absprachen, die unbedingt eingehalten werden müssen!

Nähere Informationen können Sie gerne dem Schulkonzept entnehmen oder bei mir erfragen.

Ich habe die Informationen zur Kenntnis genommen.

O Mein Kind ________________ hat keine Allergien! Ich bin damit einverstanden, dass in der Klasse meines Kindes ein Hund am Unterricht teilnimmt.

O Mein Kind ________________ hat eine Tierhaarallergie! Ich bitte darum, dass dies berücksichtigt wird.

___________________________________________

(Datum/Unterschrift d. Erziehungsberechtigten)

 

 

 

 

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